Erfahrungen mit dem Dacia Logan MCV Gen. 1, Ph. 2

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  1. #1 Wanderdüne, 01.06.2021
    Zuletzt bearbeitet: 01.06.2021
    Wanderdüne

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    Als der Dacia Logan 2004 auf dem deutschen Markt auftauchte, zerrissen sich Presse wie Interessierte fleißig das Maul – wie kann ein so billiges Auto überhaupt etwas taugen? Und gerade die ersten Jahre schienen die Befürchtungen ja auch gleich bestätigen zu wollen – die ersten Dacias in Deutschland hatten tatsächlich noch mit einigen Qualitätsproblemen zu kämpfen. 2009 brachte mit der Umweltprämie (auch Abwrackprämie genannt) dann aber eine erste richtige Dacia-Schwemme nach Deutschland – auf einmal sah man an allen Ecken Dacias, und es zeigte sich: so schlecht sind die Billigautos aus Rumänien gar nicht.

    Mein Logan MCV stammt aus dem Produktionsjahr 2012, also kurz vor dem Modellwechsel. Im Laufe der Jahre hatte man die meisten "Kinderkrankheiten" ausgemerzt, die Rostvorsorge war deutlich besser geworden, die Innenausstattung wertiger und das äußere Erscheinungsbild durch ein Facelift ein wenig gefälliger geworden – wobei man nach meinem Dafürhalten auch heute nicht von einem "schönen" Auto sprechen kann – aber Schönheit liegt nun mal im Auge des Betrachters, und ich finde, dieses Auto hat auch gar nicht den Anspruch, "schön" zu sein. Es ist praktisch, pragmatisch, geräumig, klug konstruiert, aber eben nicht schön.

    Ich habe meine "Wanderdüne" im Sommer 2014 im Alter von weniger als zwei Jahren und mit immerhin 54.000 km Laufleistung bei einem Gebrauchtwagenhändler in Remagen erstanden – zum Preis von 6.800 Euro. Vor dem Kauf habe ich den Wagen beim TÜV vorgeführt, der mir ohne Zögern ein absolutes "mängelfrei" ausstellte – wie erwartet. Eine "Kinderkrankheit" war leider bis dahin immer noch nicht ausgemerzt: die Kunstledersitze neigen zum Reißen und Aufbrechen der Kunstlederflächen – hier war das Material tatsächlich einfach zu billig. Einmal habe ich die Stelle mit "Flüssigleder" geflickt, aber das hielt leider auch gerade mal ein halbes Jahr, dann war die Stelle wieder offen. Seitdem kaufe ich mir alle zwei Jahre ein paar neue Sitzbezüge bei A**i oder L**l, und gut is' – pragmatische Lösungen eben.

    Unter der Haube meiner Wanderdüne werkelt ein 1,6l-8V Renault-Motor (K7M), der normalerweise 87 PS "leistet". Da es sich bei meiner Ausgabe aber um die LPG-Variante handelt (das war mir seinerzeit beim Kauf wichtig gewesen), ist die Leistung auf 83 PS im LPG-Betrieb reduziert, der Verbrauch aber dafür etwas höher (9,5 statt 8,5 Liter / 100 km) – bei LPG-Preisen, sie sich in den letzten Jahren in meiner Region im Bereich zwischen 48 und 55 ct/l bewegten, hätte ich nicht mal geweint, wenn er 15 Liter verbraucht hätte; aktuell sind die Preise auf 66 ct/l angestiegen, aber auch das tut im Vergleich zu Benzin- und Dieselpreisen nicht weh.
    Mit seinen 83 PS bezeichne ich den Dacia tatsächlich als "Übung in Demut". Das Einfädeln auf die Autobahn will mit Bedacht und einem beherzten Ausreizen des Drehzahlspektrums erledigt werden – "ein Dacia beschleunigt nicht, er nimmt Fahrt auf", hat neulich mal ein Forianer sehr treffend ausgedrückt. Seine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h erreicht er nur im freien Fall, aufgrund der Lautstärke mag man aber freiwillig gar nicht schneller als 120 km/h fahren.

    Ja, ein LPG-Fahrzeug braucht ein kleines bisschen mehr Zuwendung. So sollte man das Motoröl gut im Blick behalten, wegen der im Gas fehlenden Additive alle paar Monate mal eine halbe Tankfüllung Benzin verbrauchen und das Ventilspiel ab und an mal kontrollieren und neu einstellen lassen. Nach 140.000 Kilometern waren bei mir mal neue Injektoren fällig, alle paar Jahre möchte der Gasfilter (Gasphase) getauscht werden, aber das sind Dinge, die man mit wenig Kenntnissen und haushaltsüblichen Werkzeugen selbst erledigen kann.

    Rost ist bei meinem Dacia tatsächlich ein weitgehend zu vernachlässigendes Thema – "von unten" sieht er auch nach 9 Jahren immer noch super aus, lediglich an den Falzkanten der rechten Hecktür beginnt er, ein bisschen Akne zu entwickeln – in dem Alter hat so mancher Mercedes schon wesentlich schlimmer dagestanden.

    Das Fahrwerk gehört zu den unkomplizierten und gutmütigen seiner Art – allein der lange Radstand lässt den Dacia stoisch und brav geradeaus laufen. Außerdem ist er recht gut gefedert, selbst voll beladen kommt er nicht an seine Grenzen; Grund dafür ist das recht hochbeinige Fahrwerk, man möchte es schon als Schlechtwegefahrwerk bezeichnen. So mancher moderne SUV hat deutlich weniger Bodenfreiheit als der Logan MCV – vermutlich eine Reminiszenz an die Straßen im Heimatland Rumänien, die hierzulande vermutlich eher als Feldwege gelten würden. Im Schnee macht der Logan daher eine echt gute Figur – wo sich das SUV einer Schwägerin fröhlich festbuddelte, krabbelte der Logan munter bergauf – hier hat sicher auch sein geringes Gewicht eine Rolle gespielt.

    Die ganz große Stärke des Logan MCV liegt in seinem Innenraum. Von vornherein sogar als Siebensitzer konzipiert bietet er bei umgeklappter Rückbank gute 2,3 Kubikmeter Stauraum. Ich habe im Laufe der Zeit Kühlschränke, Waschmaschinen, mehrere Fahrräder, ja selbst 3 Meter lange Holzlatten im Auto transportiert (okay, letztere waren bis vorn an die Windschutzscheibe durchgeschoben) und immer die Hecktüren verschließen können.

    Jetzt beherbergt der Kofferraum meine Campingbox und eine 1,90x1,20m große Klappmatratze, Wasserkanister, Gaskocher, Wanderstiefel, Bettzeug usw.
    Die Heckflügeltüren sind Segen und Fluch gleichermaßen. In der Garage freut man sich darüber, dass man auf die Höhe nicht zu achten braucht, es gibt keine Haubenlifter, die kaputtgehen und keine Kante im Kopfbereich, die zu hässlichen Beulen an der Stirn führen können – aber wer einmal bei strömendem Regen seine Einkäufe ins Auto gepackt hat und dabei "sickenass" wurde, weiß, wie gut eine Heckklappe manchmal sein kann.

    Was muss ich am Logan MCV kritisieren? Nun ja – die Leistung ist eher mager, das Drehmoment (irrsinnige 124Nm) reicht gerade so aus, um damit Bergstrecken zu erklimmen – neulich eine 2km lange 18%-Steigungsstrecke mit Tempo 40 im 2. Gang – im Benzinbetrieb! Hier hätte ich mir einfach etwas mehr Dampf gewünscht; jedoch gab es den Logan auch mit einer etwas fröhlicheren 105PS-Maschine, der das sicher ein wenig besser hinbekommt.

    Ein deutlicher Kritikpunkt ist die Schalldämmung. Ein guter Gradmesser ist dabei mein Hund, der bei Fahrten im Dacia grundsätzlich vor lauter Stress hechelt und sabbert, während er im Citroen C3 meiner Frau völlig entspannt da liegt und die Fahrt verschläft. Tatsächlich muss man den Dacia als echte Schalldose bezeichnen, allein das Dach stellt einen tollen Resonanzkasten dar – einmal drauf klopfen offenbart einen lauten Blechklang; während der Fahrt kann man die Injektoren im Motorraum vor sich hinklackern hören und bei nasser Straße ist das Rauschen der Reifen in den Pfützen deutlich vernehmbar – also laut ist er in jeder Hinsicht. Da kann man dann mit Alubutyl nachhelfen – das mache ich jetzt auch seit locker 5 Jahren – die Rolle mit dem Schalldämmmaterial steht seitdem brav auf meinem Speicher.

    Sicherheit ist auch so ein Thema – der Dacia hat gerade mal 2 Airbags und ABS – mehr gibt's da nicht zu holen. ESP habe ich bislang nicht wirklich vermisst, weil das Auto ein unglaublich nachsichtiges Fahrwerk besitzt – ich habe ihn nicht mal absichtlich zum unkontrollierbaren Ausbrechen gebracht.

    Auch heute noch ist der gute alte Logan sehr wertstabil. Grund dafür ist, dass er sich so nach und nach als eins der Autos herausstellt, die einfach nicht wirklich kleinzukriegen sind. Dacias mit Laufleistungen jenseits der 400.000 km sind gar nicht so selten; meiner erreicht in wenigen Monaten die 200.000-Kilometer-Marke und steht tatsächlich immer noch sehr gut da. Bei 240.000 ist dann der dritte Zahnriemen fällig (das können andere Autos auch besser – bei dem Kilometerstand hat mein früherer Citroen C2 gerade seinen ersten neuen Zahnriemen erhalten), ansonsten gibt es halt die allfällige Pflege mit Ölwechseln, Austausch der Verschleißteile (allesamt extrem billig) und etwas Motorpflege.

    Ich kann den Logan – von seinem Spritverbrauch abgesehen – als ein sehr genügsames und klug konstruiertes Auto bezeichnen. Meine Erwartungen an ihn waren natürlich jetzt nicht so hoch wie an ein Auto aus dem Premium-Segment, wurden dafür aber klar übererfüllt. Ich bin mit meiner Wanderdüne zufrieden und kann jedem, der viel Platz für wenig Geld sucht, durchaus raten, sich mit dem guten alten Logan zu beschäftigen.

    (Auf Wunsch eines "älteren" Mitglieds überarbeitet und mit Absätzen versehen)
     
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  2. #2 hal23562, 01.06.2021
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    Moin Wanderdüne,
    danke für deinen tollen Erfahrungsbericht! Obwohl selbst kein Dacia-Fahrer habe ich ihn mit großem Interesse gelesen. Sicherlich eine prima Entscheidungshilfe für die, die gerade vor entsprechenden Entscheidungen stehen. Richtig gut!

    Gruß aus Lübeck - Hartmut
     
  3. #3 Reisebig, 01.06.2021
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    Von der Sache her schön beschrieben, aber mit ein paar Absätzen wäre es für uns alten Leute leichter zu lesen :mrgreen:
     
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  4. #4 Wanderdüne, 01.06.2021
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    Ich gelobe Besserung :mrgreen:
     
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  5. oskar

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    Danke für den interessanten Bericht.

    Den Radau bekommst du wahrscheinlich mit sowas in den Griff:
    Antidröhnmatte aus Akustikschwerfolie
     
  6. #6 Wanderdüne, 01.06.2021
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    Gegen das Dröhnen habe ich seinerzeit ein paar Meter Alubutyl gekauft - ich hab's nur bis heute nicht fertiggebracht, das Zeug anzubringen... ‍♂️
     
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